Deutsche wissen immer alles besser, Brasilianer sind fröhlich und Italiener laut? Wie Führungskräfte mit kulturellen Unterschieden umgehen können.

WORTLAND Kommunikationstraining

Stereotypen in der Wahrnehmung anderer sind eher die Norm als die Ausnahme.

Im Unterricht mit Expats tauchen immer wieder bestimmte Stereotypen über „die Deutschen“ genauso wie über andere Nationen auf. Bestimmte, wiederholt auftretende Vor-Urteile über Angehörige anderer Kulturen lassen sich genauso bei Einheimischen beobachten. Nicht zuletzt bei uns selbst.

Besonders beliebt und hartnäckig sind sie, wenn sie unsere jeweiligen Nachbarn betreffen: die „Ösis“ und die „arroganten Piefkes“, die selbstgerechten „Mia-san-mia-Bayern“ und die spießigen Schwaben. Ähnliches findet sich wohl überall auf der Welt: zwischen Bolivianern und Argentiniern genauso wie zwischen Russen und Kasachen. Überall treten in der Wahrnehmung der anderen Animositäten und Stereotypen auf, oft auch befeuert durch jahrhundertealte Interessenkonflikte, Machtkämpfe, Diskriminierungen und nicht selten Kriege.

Vermutlich ist dies eine Beobachtung, die man auf dem ganzen Globus machen kann. So genannte Kulturdimensionen bilden einen Bezugsrahmen für die Analyse der tatsächlichen Unterschiede zwischen den Kulturen.

Kulturelle Unterschiede lassen sich in sog. Kulturdimensionen beschreiben.

Zu den Kulturdimensionen nach Geert Hofstede (niederländischer Experte für Kulturwissenschaften, dessen Untersuchungsergebnisse auf eine Befragung von IBM-Mitarbeitern in über 60 Ländern zurückzuführen sind, vgl. http://www.wirtschafts-lehre.de/kulturdimensionen-nach-hofstede.html) gehören:

Machtdistanz (Power Distance)

Hohe Machtdistanz bedeutet, dass Macht sehr ungleich verteilt ist, geringe Machtdistanz steht dafür, dass Macht gleichmäßiger verteilt ist.

Individualismus und Kollektivismus (Individualism versus Collectivism)

Selbstbestimmung, Ich-Erfahrung und Eigenverantwortung sind wichtig. In einer kollektivistischen Kultur dominiert dagegen die Integration in jeder Art von Netzwerken. Das Wir-Gefühl rangiert weit oben.

Maskulinität versus Femininität (Masculinity versus Femininity)

Diese Dimension bezeichnet die Ausprägung der vorherrschenden Werte, die bei beiden Geschlechtern etabliert sind. Zu den femininen Werten (nach Hofstede) zählen Fürsorglichkeit, Kooperation und Bescheidenheit. Maskuline Werte seien hingegen Konkurrenzbereitschaft und Selbstbewusstsein.

Ungewissheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance)

Wie hoch ist die Abneigung gegenüber unvorhergesehenen Situationen? In Kulturen, in denen Unsicherheit vermieden werden soll, gibt es viele festgeschriebene Gesetze, Richtlinien, Sicherheitsmaßnahmen aus. Kulturen, die Unsicherheit grundsätzlich akzeptieren, sind toleranter gegenüber Unvorhergesehenem, haben weniger unumstößliche Regeln und neigen also zu Relativismus.

Lang- oder kurzfristige Ausrichtung (Long-Term Orientation)

Wie groß der zeitliche Planungshorizont in einer Gesellschaft? Werte von Mitgliedern einer Organisation, die langfristig ausgerichtet sind: Sparsamkeit, Beharrlichkeit. Werte von Mitgliedern einer Organisation, die kurzfristig ausgerichtet sind: Flexibilität, Egoismus.

Nachgiebigkeit und Beherrschung (Indulgence versus Restraint)

Diese Dimension beschreibt das Erreichen von Glück durch die Wahrnehmung von Kontrolle über das eigene Leben und die Wichtigkeit von Freizeit und Muße.

(vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Hofstede#Kulturdimensionen)

Eine anschauliche graphische Darstellung von Kulturen finden Sie auf Erin Meyer`s Culture Map.

Wo bleiben die individuellen Unterschiede?

Diese Dimensionen – es gibt noch weitere – dienen der Beschreibung der Unterschiede zwischen den Kulturen. Allerdings tragen sie nicht der Tatsache Rechnung, dass Kulturen keine homogenen Gebilde darstellen und dass nicht alle Mitglieder einer Kultur ein und dieselben Werte teilen.   

Implikationen für das Management

Aus diesen Parametern lassen sich Implikationen für Management, Marketing, Lernverhalten und viele weitere Bereiche ableiten, die im Umgang mit Angehörigen anderer Kulturen und für multikulturelle Teams entscheidend sein können.

Fragen Sie sich einmal selbst, wie gern Sie oder Ihre Kollegen viele Dinge gleichzeitig tun? Ob Sie alles schriftlich bis ins Kleinste festlegen oder genau das vermeiden? Wie wichtig Ihnen Harmonie in Beziehungen ist oder ob Sie klare Anweisungen von Ihren Vorgesetzten erwarten bzw. geben?

Fakt ist, individuelle und kulturelle Unterschiede zu verstehen, braucht Zeit – “Put yourself in their shoes”. Aber Führungskräfte, die diese Unterschiede verstehen, können eine Unternehmenskultur fördern, in der der/die Einzelne Raum hat, um produktiv und innovativ zu sein.

Lesen Sie dazu mehr: https://www.toptal.com/insights/distributed-teams/cross-cultural-communication-barriers